Die FM,errei als Lebensschule oder der Weg zum Licht
Schon vor der Aufnahme eines Neophyten in unseren Bruderbund
verpflichtet sich ein Meister diesen bis zur Erhebung bei allen ihm
zustehenden Arbeiten als Pate und Freund zu begleiten und
ihn zu beraten.
Bei der Aufnahme , wo er vorerst blind unseren Tempel betritt ,wird ihm
das erste Licht gegeben.
Er befindet sich auf einem neuen Lebensabschnitt , welcher einen
religiösen Charakter hat . Er wird in unsere Bruderkette aufgenommen.
Der Maurer ist dem Sittengesetz verbunden und wenn er seine Kunst
recht versteht, wird er weder ein dummer Gottesleugner noch ein
Wüstling ohne Religion sein.
Die alten Zeiten sind vorbei, wo man derjenigen Religion angehören
musste, die von Staates wegen befohlen wurde . Man hält es für
ratsam, den Maurer zu der Religion zu verpflichten, in welcher alle
Menschen übereinstimmen und jedem seine besondere Meinung zu
lassen.
Sie sollen gute und wahrhafte Männer sein ; Männer von Ehre und
Rechtschaffenheit , durch was für Glaubensmeinungen sie auch sonst
sich unterscheiden mögen.
Hierdurch wird die Maurerei ein Mittelpunkt der Vereinigung und ein
Mittel, treue Freundschaft unter Personen zu stiften, welchen Menschen
sonst ständig fremd voneinander hätten bleiben müssen.
Es steht auch fest, dass die Freimaurerei keine Kirche ist und auch
keinen Anspruch auf diese haben kann.
Schon von alters her , waren unsere Vorfahren friedfertige Untertanen
der bürgerlichen Gewalt, wo er auch wohnte und arbeitetete durften
sie sich nie in Meuterei oder Verschwörung gegen Frieden und die
Wohlfahrt einlassen und so sich pflichtwidrig gegen die Obrigkeit
verhalten .So stand es in den "Alten Pflichten". Heute heisst es in
unserer Verfassung :
" Der Zweck des Freimaurerbundes ist die Erziehung seiner Mitglieder
zum wahren Menschentum. Die Mittel zu diesem Zweck sind: die
Uebung von Baubrüderschaften übernommenen symbolischen
Gebräuche : gegenseitige Belehrungen über die wichtigsten
Angelegenheiten der Menschheit ; Pflege des Idealen und Anregung zu
wahrer Freundschaft und Bruderliebe ; Erfüllung der sozialen Pflichten
und Pflege der Wohltätigkeit sowie hat er die Pflicht die Unabhängigkeit
des Vaterlandes zu verteitigen und zur Erhaltung des inneren Friedens
in Wort , Schrift und Tat nach Kräften beizutragen.
Unser Ziel zeigt uns bei der Aufnahme den Weg zu einer symbolischen
Wiedergeburt. Im weiteren besucht nun dieser neue Bruder unsere
Arbeiten im ersten Grad bei Tempelarbeiten , Konferenzen und
Instruktionen. In seiner Lehrlingszeit, und auch zu Lebzeiten , wird ihm
nahegelegt, dass er innsichschauen soll und Selbsterkenntnis betreiben.
Nun steht er unter der Aufsicht des zweiten Aufsehers. Hier soll ganz
eindrücklich gesagt werden , dass die Aufseher in der maurerischen
Lebensschule eine ganz wichtige Aufgabe zu erfüllen haben.
Zudem soll der Lehrling an den Konferenz-Diskussionen sich vorerst
nicht beteiligen. Dies ist auch gut so, ist doch das Meiste ihm sowieso
neu.
Diese "Mitteilungen" bei Konferenzen und Instruktionen sollen zur
Verständigung des maurerischen Gedankengutes führen.
Nach einer bestimmten Zeit erhält der Lehrling den Auftrag seinen ersten
Bauriss zu halten. Er ist nun reif für unser Gedankengut und soll uns
kundtun , was er persönlich darunter versteht.
Er wird dann hernach zum Gesellen befördert und bekommt mehr Licht.
Anschliessend darf er auch in Konferenzen das Wort wünschen. Er
kommt nun unter die Aufsicht des ersten Aufsehers. Als Geselle sieht
der Bruder um sich und geht mit seinem Paten auf die Wanderschaft
und lernt andere Logen kennen.
Der Ordnung halber sei noch gesagt, dass bei allen Tempelarbeiten kein
Bruder das Wort verlangen darf.
Die Tempelarbeiten enthalten derart viel Gedankengut, dass es müssig
wäre , wenn hier der Einzelne seine eigene Meinung kundtun würde.
Durch den regen Besuch von Tempelarbeiten geht unser maurerisches
Wissen mit der Zeit in unser Unterbewusstsein ein. Bei der maurerischen
Lebensschule geht es nicht in erster Linie um schulisches
Auswendiglernen, sondern um den regelmässigen Besuch von
maurerischen Arbeiten, insbesonders von Tempelarbeiten. Die
maurerischen Lehren sollen nicht gelesen, sondern erlebt werden.
Nach einem weiteren Jahr , nachdem der junge Bruder als Geselle einen
weiteren Bauriss gehalten hat, bekommt er wiederum noch mehr Licht
und wird zum Meister erhoben.
Das ist für ihn kein Schlusslicht ; es soll ihn anregen darüber
nachzudenken , was das maurerische Licht schlussendlich auch sein
kann und auch sein soll.
Unser Bruder Goethe hat so eindrücklich gesagt :" Stirb und Werde" !
In dieser Phase , kann es geschehen, dass der eine oder andere eine
plötzliche Eingebung von neuen Gedankeninhalten hat.
Wir Freimaurer sind Brüder des Licht,s. Wir sollen erkennen , dass auch
im Dunkeln ein Licht vorhanden sein kann.
Der ehrw. M.v.St. sagt ja schon in unserem Ritual I " Das Licht leuchtet
in der Finsternis " !
Wir sollen uns stets bewusstsein , dass wir einer gerechten
und vollkommenen "Johannisloge" angehören, welche ihre Wurzeln
insbesonders in der Aufklärung und damit in der Reformation hat.
Auf unserem Altar liegt die Bibel, aufgeschlagen beim Johannes -
Evangelium, wo es heisst :
"Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das
Wort "!
Da wir ja , wie eingangs erwähnt , keine Kirche sind, ist das Evangelium
für uns nicht wörtlich zu nehmen. Die Bibel soll uns lediglich als Ganzes
auf die Sittenlehre hinweisen. Wir sollen darin keine Details ergründen.
Unser Zirkel zeigt uns ,wo unsere Grenzen liegen ,und worin wir uns
zu bewegen haben.
Die Konstitution dh. die alten Pflichten, unser Logen-Gesetz, die
Verordnung und die Reglemente zeigen uns den Weg dazu.
Hier beschreiten wir eine Gratwanderung zwischen Freimaurerei und
den Religionen.
Im Brockhaus steht :
Offenbarung ist : Allgemeine Erkenntnis , Erleuchtung in den Religionen,
die eine Enthüllung einer religiösen Wirklichkeit , die für den Menschen
von existentieller Bedeutung sein kann. Sie übersteigt jedoch das
menschliche Vernunftswissen.
Wir müssen uns stets bewusst sein, das der Freimaurerbund zu Ehren
des "Allmächtigen Baumeisters aller Welten" arbeitet. Er huldigt dem
Grundsatz der Gewissens- , Glaubens -und Geistesfreiheit und verwirft
jeden Zwang , der diese Freiheit bedroht. Er achtet jedes aufrichtige
Bekenntnis und jede ehrliche Ueberzeugung und verwirft jede
Verfolgung Andersdenkender.
Jeder Bruder soll sich weiter bilden und damit auch die Aufklärung
fördern.
Die das menschliche Vernunftswissen übersteigenden Ueberlegungen
haben mit der freimaurerischen Lebensschule nichts zu tun .
Die Freimaurerei kennt weder eine Gnade und verspricht schon
gar keine Erlösung .
Letzteres sind alles Kirchenangelegenheiten.
Ich unterstreiche, dass wir keine profane , sondern eine maurerische
Lebensschule sind.
Ich komme nun zum Schluss meiner Zeichnung und erwähne , was ich
schon als Lehrling wusste : Der Geist steht immer über der Materie ;
wobei ich damals und heute noch sage : "Gedanken sind
Kräfte "! Diese Kräfte können mich selbst und auch die Mitmenschen
wesentlich beeinflussen.
Ich ahnte schon damals , dass das ganze Universum mit seinem
Mikro- und Makrokosmos nicht funktionieren würde,wenn keine göttliche
Ordnung vorhanden wäre.
Da diese göttliche Ordnung nicht beweisbar ist , haben viele Menschen
damit ihre Mühe.
Ich habe persönlich vernommen, dass klinisch tote Menschen, die
wieder medizinisch ins Leben zurückgeholt wurden ,aussagten
dass sie ein unbeschreiblich helles Licht gesehen haben !
Das genügt mir vollauf. Ich will dies nicht weiter ergründen. Ich erlebe
dies dann wahrscheinlich bei meinem Ableben.
Ich habe Vertrauen in diese göttliche Ordnung.
Als Meister der königlichen Kunst fühle ich mich verpflichtet mit meinem
Wirken stets Gutes zu tun und insbesonders der Loge zu dienen.
Ehrw. M.v.St. ich habe meine Zeichnung ,soweit ich dies an einer
Konferenz I kundtun durfte , beendet.
O. a/S den 17.Oktober 2007
Br. A. A.
a. M.v. St.